Mercedes 280GE Paris-Dakar

Das Siegerauto von Jacky Ickx

Mercedes 280GE Paris-Dakar: Das Siegerauto von Jacky Ickx
Erstellt am 5. Februar 2015

Vor 30 Jahren: Afrika Dakar 1983 - der größte Sieg der G-Klasse

 

Das G-Modell war seit vier Jahren auf dem Markt und die Rennfahrerlegende Jacky Ickx wählte den Mercedes 280GE als Einsatzfahrzeug für die 4. Rallye Paris-Dakar 1982. Ein verpasster Check Point machte aus dem bis dahin sicheren Sieg einen fünften Platz.

Für Ickx und seinen Copiloten, den französischen Filmstar Claude Brasseur, war klar: 1983 gibt es eine Revanche.

Ickx hatte bis dahin sechsmal das berühmte Sportwagen 24-Stunden-Rennen von Le Mans und acht Formel 1 Grand Prix gewonnen. Ickx wurde zudem zweimal Formel 1 Vizeweltmeister.

Ickx und Brasseur trafen bei der Paris-Dakar 1983 auf 253 Gegner in der Autoklasse. Es galt, die bis dahin schwierigste Streckenführung in der jungen Geschichte der Rallye zu bewältigen. Erstmals stand die Durchfahrung der berüchtigten Ténéré Wüste im Niger auf dem Plan. Das ist nicht nur der heißeste Teil der Sahara, sondern auch eine Herausforderung der besonderen Art mit haushohen Dünen und abgrundtiefen Felsabbrüchen. Die Ténéré wurde ihrem Ruf gerecht; auf der Etappe Chirfa-Agadez gingen über 40 Fahrzeuge im Sandsturm verloren. Es dauert vier Tage, bis alle verschollenen Fahrer gefunden wurden. An der Spitze entwickelte sich unterdessen ein Duell zwischen Jacky Ickx im Texaco G und René Metge im Range Rover V8. Die Beiden legten ein bei der Dakar noch nie dagewesenes höllisches Tempo vor, erstmals waren bei der Rallye Autos schneller als Motorräder unterwegs. Als Ickx vier Etappen in Folge gewann, konnte er sich von Metge absetzen, der mit technischen Problemen an seinem Range Rover kämpfte. Im Sandsturm der Ténéré fand André Trossat im Lada Niva den besten Weg und pirschte sich an den führenden Ickx heran. Doch gerade als der Lada richtig in Fahrt war, wurde er von einem Leck im Motorölkreislauf eingebremst, die Reparatur kostete Zeit. Unterdessen lief der Range von Metge wieder und der Franzose versuchte, verlorenen Boden gut zu machen. Er gewann die erste Etappe nach der Ténéré vor Ickx, der von nun an strategisch hinter seinem Konkurrenten fuhr und so nur wenig Zeit auf ihn verlor. Ickx siegte am Ende mit fast einer Stunde Vorsprung auf Trossat.

Der eingesetzte 280GE war im Vergleich zu den Fahrzeugen, die heute bei der Rallye Dakar eingesetzt werden, weitgehend seriennah.  

Der Mercedes (M 110) Reihensechszylinder Motor wurde im Auftrag des Mercedes-Benz Werks Untertürkkeim bei AMG in Affalterbach auf 230 PS getunt. Um den nur 156 PS starken niederverdichteten G-Modell Motor auf die Serienleistung (185 PS) des hochverdichteten S-Klasse Motors zu bringen, wurden folgende Teile von der S-Klasse (W 126) verbaut:

Die Kolben (3. Übermaß) aus dem hochverdichtetem (Hemi) Motor, das Luftansaugrohr (wurde vom AMG G-Klasse Experten Kurt Pflugfelder an den G-Motor angepasst) und der hintere gerade Abgaskrümmer. Auf dieser 185-190 PS Basis verbaute AMG Motorpapst Erhard Melcher Sportnockenwellen und bearbeitete den Zylinderkopf. Die Kolben, Pleuel und Kipphebel wurden fein gewuchtet und poliert.

Unüberhörbar war auch die ungedämpfte Auspuffanlage, die als Sidepipe vor dem rechten Hinterrad endete. Weitere motorsportliche Änderungen waren die Motorhaube, Türen und Kotflügel vorne aus leichtem GFK, sowie Spezialanfertigungen aus Aluminium wie die Aerodynamikanbauten an Front und Heck, die vordere Stoßstange, der Motorunterfahrschutz und die Heckklappe.

Der Rallye G verbrachte einige Stunden im Daimler Windkanal zur Entwicklung des Heckspoilers. Da offiziell kein Motorsport mehr werksseitig betrieben wurde, wurden die Stunden damals auf das W 124 Coupe abgerechnet. Die Testfahrten des Ickx G wurden größtenteils auf der Autobahn gemacht. Auf Grund der extremen Belastungen der Rallye wurde die Vorderachse verstärkt. Zur Sicherheit wurden Recaro Rallye Sitze mit Schroth Motorsportsicherheitsgurten verbaut und Michelin XS Spezial Sandreifen sorgten für Vortrieb in der Wüste. Außer der Frontscheibe waren alle Fenster aus extrem leichtem Plexiglas. Im Inneren des Autos befand sich ein stabiler Matter Überrollkäfig. Das Fahrzeug hatte ein speziell abgestimmtes Fahrwerk mit Bielstein Stoßdämpfern (nur einer pro Rad) und Original Mercedes Federn.

Für gute Sicht bei den Nachtetappen wurden Hella Rallye 3000 Zusatzscheinwerfer montiert. Die Schmierstoffe für das Rallyefahrzeug steuerte Hauptsponsor Texaco bei.

Am 20. Januar war das Ziel erreicht; der Rallye Dakar Sieg nach beschwerlichen 21 Tagen und 12.000 km durch Wüste, Steppen, Gebirge und Dschungel. Es ist bis heute der größte sportliche Erfolg der Mercedes G-Klasse. Gegenwärtig treten die Werksteams in Prototypen bei der Rallye Dakar an. Der Mercedes G ist somit das weltweit einzige äußerlich unverändert produzierte Serienfahrzeug, das die Rallye Dakar gewonnen hat.

Auch für Jacky Ickx blieb der Sieg mit dem Mercedes 280GE der einzige Dakar-Sieg, obwohl er danach mit Porsche und Peugeot mehrere Werkseinsätze bei der Wüstenrallye fuhr.

 

5th Rallye PARIS - ALGIER – DAKAR 1983

Start: 1. Januar 1983 in Paris (Place de la Concorde)

Finish: 20. Januar 1983 in Dakar (Rose Lake)

Stecke der Rallye: 12.000 km

Sonderprüfungen: 5.210 km

Länder:

Frankreich, Algerien, Niger, Obervolta (Burkina Faso),

Elfenbeinküste, Mali, Mauretanien, Senegal

 

Etappen:

Prolog Gremuses

Prolog Guarrigues

1 Alger – Touggourt

2 Touggourt – Ouargla

3 Ouargla – Chebaba

4 Chebaba – Bordj Omar Driss

5 Bordj Omar Driss – Illizi

6 Illizy – Djanet

7 Djanet – Chirfa

8 Chirfa – Dirkou

9 Dirkou – Agadez

10 Agadez – In-Gall

Konvoi nach Nara

11 Nara – Timbedra

12 Timbedra – Kiffa

13 Kiffa – Kaédi

14 Kaédi – Tiougoune

15 Tiougoune – Dakar

Teilnehmer : 385

Am Start:

253 Autos / Trucks

132 Motorräder

Im Ziel:

94 Autos / Trucks

29 Motorräder

Gesamtwertung :

Sieger:

Auto: J. Ickx

Belgien Mercedes 280GE

Motorrad: H. Auriol

Frankreich BMW GS/80

LKW: G. Groine

Frankreich Mercedes SK1936

 

Mercedes-Benz 280GE (W 460) Kastenwagen kurz, Baujahr 1982

mit folgenden Änderungen:

-230 PS

-            Motorhaube, Türen, Kotflügel vorne aus GFK

-            Stoßstange, Spoiler, Unterfahrschutz und Heckklappe aus Aluminium

-            Verstärkte Vorderachse

-            Recaro „Pole Position“ Sitze

-            7,5 R 16 Michelin Afrika XS Spezial Sandreifen

-            Schroth Vierpunkt Rallyegurte

-            Hella Rallye 3000 Zusatzscheinwerfer

-            Texaco Hochleistungsschmierstoffe für Motor, Getriebe und Achsen

-            Matter Überrollkäfig

-            Plexiglasfenster

-            Motorsportauspuffanlage

-            Rallyelenkrad

-            VDO Zusatzinstrumente

 

 

 

Daten: 280GE „Jacky Ickx“

Hersteller:               Daimler-Benz AG    

Typ:                         Mercedes-Benz 280GE Kasten kurz(W 460)

Baujahr:                    1982

Motor:                    M 110

Zylinder:                    6 Reihe

Hubraum:                    2796ccm

Leistung:                    230 PS bei 6200 U/min

  1.      250 Nm bei 5000 U/min

Kraftstoffanlage:          Bosch K-Jet

Kraftübertragung:          5 Gang Schaltgetriebe

Beschleunigung 0-100:     9,1 Sekunden

Bremsweg 100-0:          40 Meter

Höchstgeschwindigkeit:     185 km/h

Gewicht Fahrfertig     :     1800 Kg

Verbrauch:               18-24 L / Straße, 24-40 L / Gelände    

Bereifung:               235/85/16 Michelin XCL oder

Michelin 7,5 R 16 XS

Länge:                    430 cm

Höhe:                    209 cm

Breite:                    170 cm

Preis:                    ca.75.000€ (1982: 150.000 DM)

 

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